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Tübitak 2004 - Europa
Georg Michael Schopp   
September 2004

Jugend forscht/Tübitak - Das Istanbul Lisesi auf dem zweiten Platz in Europa

Bei dem europäischen Wettbewerb Jugend forscht / TÜBITAK waren auch die Türkei – Sieger Mehmet Çakan und Mehmet Halit Calayýr vom Istanbul Lisesi eingeladen. Vom 27. bis 29. September stellten sie sich in Dublin einer größeren Öffentlichkeit vor.

Mit ihrem Projekt eines neuartigen elektromagnetischen Seismographen konnten sie die internationale Jury unter der Leitung des Wissenschaftlers und ersten deutschen Astronauten Ulf Merbold so überzeugen, dass sie mit dem zweiten Platz belohnt werden. Damit hatten die beiden selbst -aber auch ihr deutscher Physik- und Mathematiklehrer Rüdiger Wisskirchen nicht gerechnet. Überzeugend war aus Sicht der Jury offensichtlich weniger das äußere Design der Apparaturen als vielmehr die wissenschaftliche Leistung, die hinter und in dem Projekt steckt.

In der Tat haben die beiden jungen Forscher außergewöhnliches auf mehreren Gebieten geleistet: Ihre mathematischen Modelle und naturwissenschaftlichen Hypothesen und Beweise mussten sie in mehreren Sprachen erarbeiten und vortragen. Da beide seit Jahren das Istanbul Lisesi besuchen, war ihre Arbeitssprache gemeinsam mit ihrem Lehrer Rüdiger Wisskirchen Deutsch. Für den Wettbewerb in Ankara hatten sie das gesamte Projekt in ihrer Muttersprache Türkisch zu präsentieren. In Dublin schließlich wurde die internationale Sprache verlangt, Englisch. Wahrhaftig eine außergewöhnliche Leistung! Die beiden zeigen, was im künftigen Europa auf viele Menschen wartet: Zwei – und Mehrsprachigkeit auf hohem Niveau kann und wird dazu beitragen, dass Europa zusammen wachsen kann. Für die Schulen eine der wichtigsten Aufgaben in der Gegenwart und Zukunft.

Unsere Schule hat sich dieser Aufgabe schon seit Jahrzehnten verschrieben. Bereits vor 90 Jahren waren die ersten deutschen Lehrer am Istanbul Lisesi tätig. Mathematik und die Naturwissenschaften wurden und werden ausschließlich von deutschen Lehrern unterrichtet; Deutsch und Englisch werden bis zum Abitur überwiegend on deutschen Lehrern unterrichtet. Den Schülern wird also die Zweisprachigkeit vom ersten Schultag an am Gymnasium abverlangt. Das funktioniert nur, weil unsere Schule ist gleichzeitig eine staatliche türkische Schule und eine deutsche Auslandsschule ist.

Also: Nachwuchswissenschaftler an einer deutschen Auslandsschule, die vorher noch in Deutschland waren, lernen und studieren auf Deutsch und gewinnen nationale, türkische und internationale Wettbewerbe, werden sogar zur nächsten Preisverleihung der Nobelpreise nach Stockholm eingeladen! Ist das nun bittere Ironie oder Ansporn für das immer wieder kritisierte innerdeutsche Schulwesen und seine Leistungsfähigkeit, wenn die „deutschen Preisträger“ aus dem Ausland, aus der Türkei kommen?

Den beiden Jungen und ihrem Lehrer soll das zunächst gleich sein. Ihnen gebührt Lob und Anerkennung für eine außerordentliche Leistung! Unsere Schule kann stolz auf sie sein und hofft natürlich, dass auch andere Talente diesen Schritt in die Öffentlichkeit wagen.

 


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