Schulleben
Model United Nations
| Model United Nations |
| Sabine Kippels | |
| Februar 2004 | |
Was ist MUN?MUN steht für „Model United Nations“, eine Art Planspiel, das sich mit der Simulation einer authentischen UNO Konferenz beschäftigt. Die Idee stammt aus den Niederlanden, wo „The Hague International Model United Nations“ (THIMUN -> http://www.THIMUN.com/) als Dachorganisation befindet. Da im Laufe der Jahre die Teilnehmerzahlen internationaler Schulen den Rahmen sprengten, wurden so genannte „Affiliated Conferences“ gebildet – einzelne Schulen organisieren nun im Sinne von „The Hague“ eigene Konferenzen und geben die Termine im Internet bekannt. Wie funktioniert MUN?Hat man sich als Schule über das Internet zu einer Konferenz angemeldet, bekommt man ca. sechs Wochen im voraus eine oder mehrere Delegationen zugeteilt. Das können alle in der UNO vertretenen Länder, sowie NGO’s, also Sonderorganisationen, sein. Dabei ist wichtig, dass hier im einer Schule niemals das Land zugeteilt wird, aus dem sie stammt. U.U. fordert das den Schülern eine größtmögliche Distanz zur eigenen Herkunft und Geschichte ab, wenn sie z.B. als türkische Schüler die Delegation Griechenlands vertreten müssen und auf der Agenda die Zypernfrage steht. Nach der Aufteilung der Delegation in die unterschiedlichen Komitees erstellen die Schüler Resolutionen zu den in der mitgeschickten Agenda genannten Themen. Hier liegt, neben der Präsentation der Resolutionen auf der Konferenz, die Hauptarbeit. Wie sehen die Konferenzen aus?Die Konferenzen dauern in der Regel drei bis vier Tage. In dieser Zeit richtet sich der Ablauf streng nach dem der „echten“ Konferenz in New York. Angefangen bei der Kleidung (es wird erwartet, dass die Schüler keine Alltagskleidung tragen, sondern sich ihrer Aufgabe angemessen kleiden), über ihr Verhalten (vor allem Respekt gegenüber den Vorsitzenden der einzelnen Komitees – auch wenn es sich um gleichaltrige Schüler handelt) bis hin zu den strengen Sprachregelungen. Englisch ist die einzige akzeptierte Konferenzsprache, was sich auch aus der internationalen Besetzung ergibt. Von teilnehmenden Schülern wird erwartet, dass sie sich schriftlich wie mündlich sehr gut auf Englisch ausdrücken können. Die Sitzungen der einzelnen Komitees sowie die Eröffnungs- und Abschlussveranstaltungen unterliegen außerdem festgesetzten Sprachregelungen – denen der UNO. Im Laufe der Tage nehmen die Schüler an den Sitzungen der ihnen zugeteilten Komitees statt und versuchen möglichst viele Unterstützer für die von ihnen ausgearbeiteten Resolutionen zu finden. Auch wenn hier durchaus der Ernst der global politischen Lage im Vordergrund steht, machen diese Konferenzen sehr viel Spaß. Das belegt nicht zuletzt die Tatsache, dass THIMUN eine lange Warteliste hat. MUN am Istanbul LisesiSeit ein paar Jahren gibt es auch an unserer Schule eine MUN Arbeitsgemeinschaft. Seit Januar 2004 sind die Schüler Serra Tar und Aybek Andican für die Organisation zur Teilnahme an den Konferenzen verantwortlich. Wöchentlich treffen sich die Schüler, entscheiden an welchen Konferenzen sie im Schuljahr teilnehmen wollen und bereiten sich dann nach Zuteilung der Länderdelegationen vor. Im April 2003 sind wir mit einer Delegation nach Haarlem/ Niederlande gereist und haben dort Russland und Green Peace vertreten. Dabei konnten sich Can Baran als russischer Delegierter im Sicherheitsrat und Serra Tar als Botschafterin besonders profilieren. Serras Resolution für den „Hauptausschuss soziale, humanitäre und kulturelle Fragen“ wurde vollständig akzeptiert. Im Dezember 2003 nahmen wir an der Konferenz der American Academy in Üsküdar/ Istanbul teil – hier als Vertreter der Niederlande. Im März 2005 nahm eine Delegation an der Konferenz an der Koc Universität/ Istanbul teil und im Oktober reiste eine Schülergruppe zur MUN-SH nach Kiel. MUN fordert von den Schülern großes Engagement: sie müssen bereit sein sich intensiv mit der weltpolitischen Lage auseinander zu setzen. Nach Zuteilung des zu vertretenden Landes wird erwartet, dass sie sich mit dessen Geschichte, insbesondere jedoch mit dessen aktueller Innen- und Außenpolitik, sowie dessen Rolle in der UNO sehr gut auskennen. Intensive Recherche im Internet und das Anschreiben der Botschaften gehört zu den Vorbereitungen der Sitzungen – nach einem täglichen Schulpensum von acht Stunden muss hier auch Freizeit geopfert werden. MUN bereitet die Schüler mit Blick auf ihre akademische Zukunft auf eine internationale Plattform vor – sie müssen innerhalb der Konferenzen ihre Standpunkte auf Englisch vertreten, es wird erwartet, dass sie die Positionen fremder Länder, nicht die des eigenen Herkunftslandes, annehmen und überzeugend darstellen. Die Schüler lernen vor einer großen Gruppe zu sprechen (durchschnittlich 300 Teilnehmer pro Konferenz), sie schlüpfen in die Rolle einer Person, die die Verantwortung für ein ganzes Land trägt. Sie lernen sich diplomatisch und rational mit häufig emotional belasteten Problemen auseinander zu setzen. Nicht zuletzt wegen der Schulung dieser Qualifikationen sehen Universitäten gerne, wenn ein Bewerber MUN Erfahrung hat. Das klingt alles nach viel Arbeit – nicht zu vergessen ist deswegen, dass MUN natürlich freiwillig ist und den Schülern großen Spaß macht. Auf den Konferenzen werden internationale Kontakte geknüpft, die oft im Privaten fortgesetzt werden. Und: ist es nicht spannend vier Tage den russischen Botschafter zu spielen? Außerdem wird am letzten Abend jeder Konferenz die Arbeitskleidung im Koffer gelassen, dann ist Party – und die Botschafter und Delegierten sind alle wieder Schüler, in Jeans und mit viel Gel in den Haaren. |






