Kollegium
Praktikumsbericht von Tabea Bergold
| Praktikumsbericht von Tabea Bergold |
| Kai Unger | |
| November 2007 | |
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In der Zeit vom 16. September bis zum 19. Oktober 2007 absolvierte ich die letzten fünf Wochen meines dreimonatigen Pflichtpraktikums am Istanbul Lisesi in der Türkei. Ich studiere an der Universität Münster Englisch, Italienisch und Politik mit dem Abschluss Staatsexamen und Magister. Das Praktikum bot mir daher die Chance, den eingeschlagenen Weg zum Lehramt zu überprüfen und mir einen Einblick darüber zu geben, was mich im Referendariat erwarten würde. Zudem interessierten mich die Strukturen einer deutschen Auslandschule für meinen weiteren Werdegang. Im Rahmen meines DaF-Studiums (Deutsch als Fremdsprache) lerne ich Türkisch, was ein weiterer Beweggrund für die Wahl des Istanbul Lisesi als Praktikumsschule war. Das Kennenlernen einer mir unbekannten, anderen Kultur und die Einbettung des Schullebens in deutsche Schulstrukturen stellten für mich eine besonders reizvolle Kombination dar. Das Schulprofil des Istanbul Lisesi zeichnet sich besonders durch die Verbindung der beiden Schwerpunkte Naturwissenschaften und Sprachen aus. Durch ein Aufnahmeverfahren werden die besten SchülerInnen der Türkei ermittelt. Die erfolgreichen Prüflinge durchlaufen dann im Alter von 14 Jahren ein einjähriges Hazirlik-Vorbereitungsjahr, in welchem ihnen die deutsche Sprache vermittelt wird. Während die türkischen Deutschlehrerinnen und Deutschlehrer Grammatikunterricht erteilen, werden Aussprache und Vokabeln mit Muttersprachlerinnen und Muttersprachlern trainiert. Fachvokabeln für den späteren Unterricht in den Naturwissenschaften werden gemeinsam von einer türkischen und einer deutschen Lehrkraft beigebracht. Die Schülerinnen und Schüler schließen die Schule mit der türkischen Aufnahmeprüfung für die Universität (ÖSS) ab. Gleichzeitig können sie am Ende ihrer Schullaufbahn entweder das Abitur oder das Deutsche Sprachdiplom ablegen, die ihnen ein Studium in Deutschland ermöglichen. Durch die Aufnahmeprüfung und das gemeinsame Vorbereitungsjahr bildeten die einzelnen Klassen homogene Lerngruppen, was das Unterrichten sehr erleichterte. Alle Schülerinnen und Schüler waren hochmotiviert und ehrgeizig, gleichzeitig aber auch darauf bedacht, bei Problemen und Fragen von Mitschülerinnen und -schülern zu helfen. Diese Hilfsbereitschaft untereinander fiel bis zu den Abschlussklassen durchgehend positiv auf. Interessant zu beobachten war auch die allmähliche Umstellung und Anpassung an den deutschen, durch hohe Interaktivität gekennzeichneten Unterricht. Während meines Praktikums war es mir möglich, in allen Klassenstufen in den verschiedensten Fächern zu hospitieren und in Deutsch und Englisch auch eigenen Unterricht zu halten. Positiv hervorzuheben ist hier die enorme Unterstützung durch das Kollegium am Alman Lisesi. Die Bereitschaft, Praktikantinnen und Praktikanten mit in den eigenen Unterricht zu nehmen und zu integrieren, war enorm hoch. Jede vorbereitete Stunde wurde vorher mit dem/r betreffenden LehrerIn durchgesprochen und nachher gemeinsam analysiert. Durch die Flexibilität der Lehrerinnen und Lehrer war es mir möglich, in der kurzen Zeit sehr viel eigenen Unterricht zu halten. Eine große Hilfe waren dabei auch die anderen Praktikantinnen, mit denen ich mich im team-teaching erprobte. Auch wenn der gemeinsame Unterricht anfangs zum Teil etwas chaotisch ablief, war die gemeinsame Zusammenarbeit doch außerordentlich kreativ und produktiv. Kleinere „Anfängerschwächen“ im Unterrichtskonzept wurden auch durch die Schülerinnen und Schüler abgefedert, die allgemein sehr aktiv am Unterricht teilnahmen und auch als Nicht-Muttersprachlerinnen und -sprachler sehr anspruchsvolle Themen meisterten. All dies machte den Unterricht zu einer sehr lehrreichen und schönen Erfahrung. Mein Praktikum fiel insofern in einen günstigen Zeitraum, als dass ich an sehr viele Veranstaltungen außerhalb des Unterrichts teilnehmen konnte und somit einen besseren Einblick in alle Aspekte des Lehrerberufes gewann. Zu diesen Veranstaltungen zählen der pädagogische Tag, die Hazirlik-Konferenz und das Symposium zur „Zukunft der deutschsprachigen Bildung in der Türkei“. Am pädagogischen Tag wurde in verschiedenen Gruppen das Schulprofil weiterentwickelt. Ein besonderer Schwerpunkt war hierbei die interkulturelle Zusammenarbeit, sei es zwischen LehrerInnen und SchülerInnen, dem türkischen und dem deutschen Kollegium, oder zwischen den Eltern und den Lehrkräften. Bei der Hazirlik-Konferenz wurde den Eltern der neuaufgenommenen Schülerinnen und Schülern das Kollegium vorgestellt. Das Symposium fand aus Anlass des deutsch-türkischen Kulturabkommens statt. Zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft und Politik sprachen zur Zukunft der deutschsprachigen Bildung der Türkei. Da ich selber plane, im Ausland Deutsch zu unterrichten, fand ich diese Veranstaltung besonders informativ. Sowohl das Praktikum, als auch der Aufenthalt in der Türkei und besonders dem schönen Istanbul haben mir sehr gefallen. In meine Zeit fiel der islamische Fastenmonat Ramadan (auf türkisch: Ramazan) und das Bayram Seker, das Zuckerfest, mit welchem man das Ende des Ramadan begeht. Istanbul hat als Stadt sehr viel zu bieten und ist eine sehenswerte Metropole. An dieser Stelle möchte ich mich noch einmal ausdrücklich beim Schulleiter Herrn Schopp, meiner Betreuungslehrerin Frau Sigrun Müller und allen anderen Lehrerinnen und Lehrern, meinen Mitpraktikantinnen und den Schülerinnen und Schülern des Istanbul Lisesi für die Unterstützung bedanken. Ich werde mich noch lange an diese schöne Zeit erinnern! Gerne stehe ich späteren Praktikantinnen und Praktikanten für Fragen zur Verfügung. Tabea Bergold |







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