Schulleben
Interkulturelle Sportbegegnungen
| Interkulturelle Sportbegegnungen |
| Kai Unger | |
| Oktober 2007 | |
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Die Schüler der Deutschen Schule Bilbao nehmen am internationalen Sportwettbewerb teil, der vom Istanbul Lisesi organisiert wurde.
Beginnen möchte ich mit einem Dankeschön an die Schulleitung, die Sportlehrer und vor allem an die Schüler der Deutschen Schule in Istanbul „Istanbul Lisesi”. Sowohl die deutsche als auch die türkische Schulleitung ermöglicht es, derartige Veranstaltungen durchzuführen, aber diejenigen, die letztendlich auf dem Sportplatz standen, waren die Schüler selbst: All ihnen viel Respekt und ein großes Lob, eine kräftige und herzliche Umarmung seitens der Schüler und Lehrer aus Bilbao. Danke! Und so begann die Reise: Freitag, 8. Juni 2007, 14.30 Uhr, Flughafen Bilbao-Loiu. 21 aufgeregte Schüler und zwei Sportlehrer (Christian Pfeiffer und ich), die endlich in Istanbul ankommen wollten und die wünschten, dass die zum x-ten Mal gestellten Fragen endlich ein Ende haben: „Wie sind die Zimmer?” „Wie lange dauert die Zwischenlandung in Frankfurt?” „Können wir in Frankfurt aussteigen und die Stadt besichtigen?” „Wie lang dauert der Flug nach Istanbul?” „Müssen wir die Uhr umstellen?” „Können wir in Istanbul ausgehen?” „Wie lange dauert es noch?” und noch viele andere Fragen, die wir am besten nicht erwähnen. Endlich kamen wir an. Wir waren gerade aus dem Flughafengebäude heraus, und da war auch schon unser Empfangskomitee, um drei Uhr morgens. Ein Komitee, das nicht ein einziges Mal während der nächsten sechs Tage von unserer Seite wich. Die türkischen Schüler waren dazu verpflichtet worden, unsere Sportler auf Schritt und Tritt zu begleiten. Sie brachten uns mit einem Schulbus zur Unterkunft und teilten uns auf die Zimmer auf. Ich hatte das zweifelhafte Glück, dass die Türken offensichtlich nicht wussten, dass es sich bei „Maider” um einen weiblichen Namen handelt, und so musste ich noch eine Stunde länger warten, bis sie ein Einzelzimmer für mich ausfindig gemacht hatten. Sonnabend, 9. Juni 2007. Das war eine der interessantesten Arten aufzuwachen. Ich hatte etwa zwei Stunden geschlafen, und um sechs Uhr morgens weckte mich eine schreiende Stimme. Ich hatte keinen blassen Schimmer, wo ich gerade war. Ich stand auf, öffnete das Fenster, und was ich sah, war ein Mann, der mit einem Mikrofon das Gebet laut ausrief von einem Minarett, das wohl keine zehn Meter von meinem Zimmer entfernt lag. Um acht Uhr Frühstück im Speisesaal der Schule und eine von den türkischen Schülern vorgenommene Stadtführung. Sie zeigten uns die Hagia Sophia, die Blaue Moschee, den Topkapi-Palast ... einfach wundervoll!
Der Sonntag verlief ähnlich: Alle gemeinsam zogen wir los (Esten, Rumänen, Türken, Ägypter und Bilbainer). Es ging zu einem Themenpark, in dem die typischsten Wahrzeichen der Türkei in Form von Miniatur-Monumenten und -Gebäuden gezeigt wurden. Gerade noch erreichten wir den Bus, der uns zum Dolmabahce-Palast brachte, wo Atatürk (übersetzt heißt das „Vater der Türken”) seine letzten Tage verbracht hatte. In ganz Istanbul sieht man Fotos, Abbildungen usw. von ihm, der seinerzeit die Türkei ins moderne Zeitalter geführt hatte. Am Nachmittag zogen wir uns besonders gut an und gingen zum Hafen, um von dort aus ein Boot zu nehmen, welches uns in den asiatischen Teil führte, und zwar zum Fußballstadion von „Fenerbahce”, um an der 100-Jahrfeier teilzunehmen. Und da waren wir dann und ließen uns einfach gehen und feuerten eine Mannschaft an, von deren Existenz viele erst an diesem heutigen Tag erfuhren. Wir sangen mit den Fans, obwohl man es nicht so richtig „Singen” nennen konnte, aber unter so vielen Menschen merkte man uns nicht an, dass wir weder Türken waren noch bis jetzt Anhänger von Fenerbahce. Ein bedeutender Journalist der Regenbogenpresse kommentierte die Veranstaltung: Es war ein MEGA-beeindruckendes Ereignis! Montag, 11. Juni. Der Tag der Wahrheit kam: Die Wettbewerbe begannen - und wir verloren. Dienstag, 12. Juni. Wir begannen, im Basketball zu gewinnen. Und das, obwohl wir keine Ersatzspieler hatten, da sie sich am Tag zuvor verletzt hatten. Im Volleyball verbesserten wir uns auch, zumindest, was Technik, Taktik und Strategie anbelangte; was das Ergebnis betraf - verloren wir. Mittwoch, 13. Juni. Heute war eigentlich ein Ruhetag für die Basketball-Mannschaften geplant, aber da wir hierher gekommen waren, um zu spielen, organisierten wir einige Freundschaftsspiele. Die Volleyballer machten weiter, lernten, übertrafen sich selbst, aber leider nicht die gegnerischen Mannschaften. Mit „Lernen” beziehe ich mich nicht nur auf das Erlernen von Bewegungstechniken und Spieltaktik, sondern vor allem darauf, das Verlieren zu erlernen, was wahrlich nicht leicht ist. Wir hatten bis jetzt alle Spiele verloren, aber ich muss hervorheben, dass die Spielfreude nicht nachließ. Ganz im Gegenteil: Unsere Sportler fühlten sich immer mehr motiviert, sich zu verbessern, und zwar sowohl in der Einzelleistung als auch in der Gruppe. Die Endergebnisse lagen immer dichter am Unentschieden. Aber ich möchte mich nicht nur zum rein sportlichen Aspekt äußern. Für den Abend hatten unsere türkischen Gastgeber ein Galadiner auf einem Schiff zum „Goldenen Horn” organisiert. Die Schulen, die bereits zum zweiten Mal dabei waren, wussten, wie ein solches Abendessen abläuft. Wir Neuen waren nicht „vorgewarnt” und hatten mehr oder weniger nur sportlich-legere Kleidung mitgenommen. Wir machten uns dann eben so gut es ging zurecht. Für das nächste Jahr wisst Ihr also: Bringt festliche Kleidung mit! Unsere Gastgeber hatten an alles gedacht: Erst gab es einen Willkommens-Cocktail, danach Live-Musik; das Abendessen auf dem Schiff fand unter Deck statt, das Dessert gab es an Deck, und dann ging es wieder mit Musik weiter. Donnerstag, 14. Juni. Für heute hatten Christian und ich einen Ausflug zu einer der Prinzeninseln organisiert. Sie werden so genannt, weil in früherer Zeit die türkischen Prinzen dorthin verbannt oder dort versteckt wurden. Es handelt sich um eine Sommerresidenz vieler Istanbuler Einwohner, es ist dort westlich-modern, und die einzigen Transportmittel sind Fahrräder und Kutschen. Wieder in der Schule angelangt, ging es mit dem Turnier weiter. Welch Nachmittag! Wir erreichten den Gipfel unserer Ergebnisse im Mädchen-Volleyball. Liebe Leute - welche Emotionen, und die Nerven! Den ersten Satz hatten wir schon verloren, aber im zweiten ließen wir die Esten schlecht aussehen. Man sah bestes Verständnis unter den Spielern, tolle Schlagtechniken, Energie. Wir verloren zwar mit zwei Punkten, lagen aber eine ganze Zeit in Führung. Diese Niederlage kam uns wie ein Triumph vor. Wir feierten mehr als die Turniersieger. Beim Basketball gewannen unsere Mädchen weiterhin; mehr darüber später. Freitag, 14. Juni. Wir waren am Ende unserer Reise angelangt, und man sah schon einige traurige Gesichter. Keiner wollte nach Hause reisen, es waren viele Freundschaften geschlossen worden und man war sich durchaus bewusst, dass man sich eventuell niemals wiedersehen würde. Was sich als sehr interessant herausstellte, war die Tatsche, dass alle untereinander sich auf Deutsch unterhielten, sogar die Bilbainer unter sich. Der Grund dafür war sehr simpel: Hier hatten mit dem Sport alle ein gemeinsames Interessengebiet. Die gemeinsame Sprache, die alle am besten beherrschten, war Deutsch, und dadurch, dass sich ein so gutes Umfeld ergeben hatte, sprachen alle die ganze Zeit über Deutsch.
Die sportliche Bilanz: Unsere Basketball-Mannschaft verlor gegen Alexandria und wurde zweiter Turniersieger. Unsere Volleyball-Mannschaften zeigten große Beharrlichkeit und Opferbereitschaft. An alle: Riesenglückwunsch!!!
Sonnabend, 16. Juni. Um halb vier morgens klingelte der Wecker. Einerseits freute ich mich heimzukehren, obwohl mich der morgendliche Ruf vom Minarett her nicht mehr wecken würde. Um vier Uhr in der Frühe ging es in Richtung Flughafen unter der Begleitung der türkischen Schüler los. Ankunft am Flughafen. Und keiner fragte mehr: „Wie lange dauert es noch?”, „Wie lange brauchen wir bis Frankfurt?”. Wir waren allesamt sehr müde, und wie bei der Anreise wollten Christian und ich nur eines: Ankommen in Bilbao!
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